du kannst.

Geschrieben am 19. 11. 2006

"du kannst". Dokumentarfilm für amnesty international, 31:35 Minuten, November 2006

Anhand der Botero-Bilder zu Abu Ghraib setzt sich der Film grundstätzlich mit der Frage der Folter auseinander.

 

Botero Abu Ghraib

 

Abu Ghraib 66, 2005

Bilder: Abu Ghraib-Zyklus

Ausstellung 
Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall
2005

 

 

Menschenrechtsverletzungen sind nicht erst durch physische oder psychische Folter Realität in der Welt. Vielmehr stehen sie am Ende einer Kette von Menschenrechtsverletzungen, an deren Anfang das Aufrechterhalten sozialer Unterschiede stehen und Konzeptionen von Herrschaftseliten. Der Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, definiert jedes verhungerte Kind als ermordetes Kind, da bei einem solidarischen Gebrauch der Ressourcen in der Welt nach dem Stand der Produktivkräfte heute 12 Mrd. Menschen in der Welt ernährt werden können. Jugendliche sprechen über ihr Verhältnis zu Menschenrechte. Der Film zeigt die beginnende Diskussion bei amnesty international über die Frage der Ausweitung der Menschenrechte auch auf soziale Rechte.

 

Jean ZieglerJean Ziegler, 2000 bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung der Menschenrechtskommission, dann des Menschenrechtsrat, Mitglied der UN-Task-Force für humanitäre Hilfe im Irak, seit dem 26. März 2008 Mitglied des Beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats zum Film "du kannst":

“Dein Film ist ganz ausgezeichnet. Er schafft Bewusstsein, informiert genau und mobilisiert. Vor allem: Er gibt Hoffnung. Auf einem Planeten, wo jeden Tag 100 000 Menschen am Hunger oder seinen unmittelbaren Folgen zu Grunde gehen, zeigt Dein kluger Film was konkret getan werden kann um diese moerderische, absurde Weltordnung umzustossen. Der Kampf fuer die Menschenrechte ist ein Erfordernis der Zivilisation.” (21.02.2007)


Inhalt des Filmes:

- Reflexion über die Folter
- Interview Jean Ziegler, Sonderberichterstatter der UNO
- Interview Miachel Windfuhr - FIAN e.V., Menschenrechte gegen Hunger
- Interviews Schüler des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums Hamburg
- Interivew Henning Horns, Sprecher ai-Bezirk Hamburg u. Aktionen ai-Mitglieder Hamburg
- Interview Sihem Bensedrine, tunesische Menschenrechtlerin
- Interview Jugendliche Hamburg Heimfeld
- Gesang: Lied 1: Sarah Politt: "Der Politische" von Boris Vian
- Gesang: Lied 2: Wir sind Helden: "Ist das so?" 
- Bildmaterial ai-Schweiz zur urgend action von ai
- Bildmaterial ai-Berlin
- Bildmaterial Abu Ghraib
- Bildmaterial Plakate ai


Filmkritik zu "du kannst":

Wann immer es gilt, Menschen für eine „gute Sache“ zu motivieren, besteht die Gefahr vom rechten Weg, der sich gleichsam zwischen Scylla und Charybdis hindurchschlängelt, abzukommen.

du kannst

 

Leicht ist es, junge Menschen mit Betroffenheitsrhetorik zu überschütten – wie manch einer aus seinem Geschichtsunterricht leidvoll zu berichten weiß. Nicht schwer ist es, mit erhobenem Zeigefinger zu moralisieren. Das Problem ist nur, dass sich, nicht erst heutzutage, kaum ein junger Mensch dadurch zum Handeln motivieren lässt. Amnesty International bewirbt in Kürze ihre Projekte und Aktionen mit einem in Hamburg hergestellten Kurzfilm – „du kannst“ heißt die 31 Minuten umfassende Dokumentation, die Karl-Heinz Dellwo dieser Tage einem ausgesuchten und kritischen Publikum vorführte. Ob es „du kannst“ gelingt, Jugend zum Engagement gegen Menschenrechtsverletzungen zu bewegen, deren Spektrum sich von furchtbarer Folter bis zu ausbeuterischen Arbeitsbedingungen erstreckt, gerade wenn die Verbrechen scheinbar fern ab vom zivilisierten Europa geschehen oder auch die eigenen Lieblingsmarken in der Kritik stehen, wird sich in den nächsten Monaten erweisen. Einfach ist das nicht, zumal wenn die Zielgruppe über einen ohnehin politisch tätigen Kern hinausreicht.

Schon jetzt lässt sich allerdings sagen, dass es der Dokumentation gelingt zu betreffen und Verantwortung bewusst zu machen, ohne in den Strudel überzogener Betroffenheit oder in die Fänge moralinsaurer Ermahnungen zu geraten. Der Zugang zum diffizilen Thema der Folter, deren schonungslose Darstellung jedem Erkenntnisprozess junger Menschen im Weg steht und bloße Betroffenheit auszulösen vermag, gelingt Dellwo, ohne zu verharmlosen, über den entlastenden Umweg der Kunst – die eindrücklichen Bilder Boteros zu den Verbrechen in Abu Ghraib reichen hin, Schülerinnen und Schülern das Grauen der Folter zu verdeutlichen, ohne sie emotional zu überfordern. Die weiteren Formen von Menschenrechtsverletzungen werden dosiert vermittels Bildmaterial, Interviews und unter Verwendung von Aufnahmen, in denen Hamburger Schülerinnen und Schüler mitwirken, thematisiert. Die so bewirkte Sensibilisierung und Betroffenheit bleibt nicht für sich stehen, der Betrachter sich nicht selbst über- und damit alleingelassen, vielmehr verknüpft sich dieser erste Aspekt des Films folgerichtig mit der Eröffnung von realen Handlungsmöglichkeiten. Das wirkt nicht nur entlastend, sondern vermag emotionale Betroffenheit und intellektuelle Empörung handlungsmotivierend zu kanalisieren – schreckliche Dinge geschehen, aber ich kann etwas tun, ohne eine Mutter Theresa oder ein Martin Luther King sein zu müssen. „du kannst“ gelingt die Verbindung von Betroffenheit, Erkenntnis und Handlungsmotivation, gute Voraussetzungen für diesen Kurzfilm seine Zielgruppe, junge Erwachsene und Jugendliche, auch zu erreichen.

Christian Buzuk, Carl-von-Ossietzky-Gymnasium, Hamburg

du kannst, 31:35 Minuten Bella Storia Film Karl-Heinz Dellwo


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http://www2.amnesty.de/
http://www.amnesty-hamburg.de/

Der Film ist zu beziehen bei:

ai-Bezirk Hamburg
Eilbeker Weg 214
22089 Hamburg
Telf: 040-220 774 7
Fax: 040-220 774 0
mail: bezirk@amnesty-hamburg.de

(JoDo)

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