Buchmesse Frankfurt 2007

Geschrieben am 13. 10. 2007

Nun endlich der Nachtrag von gestern. Ich habe mir eine Stunde lang die Podiumsdikussion dieses Adaptionsgesprächskreises angesehen. Es ging allein um juristische und wirtschaftliche Fragen der Rechteverwertung bei Medienübertragungen vom Buch auf den Film oder das Spiel usw. Nicht mein Thema.

Großartig hingegen war die Lesung von Karl-Heinz Dellwo, der den Prolog und Ausschnitte aus seinem Interview-Buch “Das Projektil sind wir” vorgelesen hat. Dellwo hat 20 Jahre im Gefängnis gesessen für die Besetzung der deutschen Botschaft in Schweden, am 25. April 1975. Er berichtet zunächst minutiös von den Vorgängen jenes Tages und unterlegt das mit dem damaligen revolutionären Selbstverständnis. Aus seinen Worten ist zu hören, dass der das Prinzip des revolutionären Kampfes von damals auch heute noch für sinnvoll hält - allein die Vorgehensweise und die absolute Verdinglichung der Geiseln als Mittel zum Zweck (zur Gefangenenbefreiung) lehnt er nun vollständig ab und bereut die Morde an den beiden Botschaftsangehörigen zutiefst.

Für mich war das der erste Kontakt mit einem der Protagonisten der RAF und ich muss sagen, dass ich von der tiefen Intellektualität und Reflektiertheit Dellwos sehr beeindruckt war - mehr aber noch von seiner Fähigkeit, das eigene Denken von damals zu hinterfragen, zu kritisieren und eine Form von Reue zu zeigen, die nicht so klingt, als sei sie allein aus Gründen der Medienwirksamkeit “gespielt”. Sein Buch werde ich mit Sicherheit bald einmal lesen.

Mein Resümee zur Buchmesse: Ich habe dieses Jahr alte Bekannte getroffen und neue Bekanntschaften geknüpft - unter anderem ein paar viel versprechende Verlagskontakte. Insgesamt war ich etwas entspannter als in den letzten Jahren, weil ich mir gar nicht die Illusion gemacht habe, alles sehen zu müssen. Schade war, dass ich vom “Gastland” Katalonien so gut wie nichts mitbekommen habe. Noch mehr schade war, dass ich Umberto Eco auf dem blauen Sofa verpasst habe.

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